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Diabetes & Psychologie e.V.
Arbeitsgemeinschaft Psychologie
und Verhaltensmedizin in der DDG

Erklärung als PDF-Datei Pressespiegel Links

Pressespiegel zur "Bad Neuenahrer Erklärung"

Bad Neuenahrer Erklärung
Deutsches Ärzteblatt, Jg. 98, Heft 48, 16. November 2001
Pflege inter vom 12.10.01 (Interview mit Dr. Peter Hübner)
Bonner Rundschau vom 05.10.01 / Kölnische Rundschau vom 05.10.01
Bonner Generalanzeiger vom 01.10.01
Ärzte Zeitung vom 01.10.01
Internet-Berichterstattung

Deutsches Ärzteblatt (Jg. 98, Heft 48), 16.11. 2001

Diabetes und Migranten
Schlecht versorgt
Sprache, Kultur und Religion muss Eingang in die Behandlung finden

Rund sechs Millionen Menschen in Deutschland leiden an Diabetes mellitus, davon mindestens 600.000 Migranten. Untersuchungen zufolge sei die Diabeteshäufigkeit unter Migranten höher als unter der deutschen Ursprungsbevölkerung, erklärte die Arbeitsgemeinschaft Psychologie und Verhaltensmedizin in der Deutschen Diabetesgesellschaft (DDG) bei ihrer Jahrestagung in Bad Neuenahr. Herkömmliche Therapieangebote seien aber für Migranten oft ineffektiv. Ursachen seien Kommunikationsprobleme, fehlendes Verständnis der Therapeuten für die andere Mentalität, Kultur und Religion sowie andere Essgewohnheiten.

Die DDG fordert daher, Modellprojekte zur Verbesserung der Behandlungsqualität zu initiieren sowie Mittel für die Versorgungsforschung und ein spezielles Desease Management bereitzustellen. Zudem sollen muttersprachliche Schulungs- und Behandlungsangebote zur Verfügung gestellt werden, interkulturelle Inhalte in die Ausbildung aufgenommen werden und die Kontakte zu Selbsthilfeorganisationen und wissenschaftlichen Fachgesellschaften der Herkunftsländer ausgebaut werden.

"Pflege intern", 12.010.01

Unterschätztes Thema:
Diabetes bei Migranten

"Diabetestherapie bei Migranten" war erstmalig in Deutschland das Thema einer interdisziplinären Tagung, organisiert von der Arbeitsgemeinschaft Psychologie und Verhaltensmedizin in der Deutschen Diabetes-Gesellschaft. Pflege intern sprach mit Dr. Peter Hübner, Psychologe und einer der Organisatoren des Kongresses in Bad Neuenahr.

pi: Chronische Krankheiten bei Migranten, wie beispielsweise Diabetes mellitus, spielen in der gesundheitspolitischen Diskussion bisher keine Rolle.
Das Thema wird in Deutschland völlig unterschätzt. Untersuchungen weisen jedoch darauf hin, dass die Diabeteshäufigkeit unter Migranten höher ist als unter der deutschen Ursprungsbevölkerung. Etwa sechs Millionen Menschen, die in Deutschland leben, sind an Diabetes mellitus erkrankt. Unter den acht Millionen Migranten in Deutschland gibt es aber schon heute mindestens 600 000 Diabetiker.
Ein anderes Beispiel: In Deutschland lebende Türken haben doppelt so häufig einen Diabetes mellitus wie der Durchschnitt der deutschen Bevölkerung. Das ist aus einer Studie der Universität Gießen hervorgegangen. Oft gibt es aber keine angemessene Behandlung.

pi: Mit welchen Folgen?
Ohne eine optimale Behandlung verkürzt sich die Lebenserwartung der Betroffenen deutlich, die Lebensqualität verschlechtert sich. Von den Kosten für die Krankenkassen einmal ganz abgesehen.

pi: Worauf sind die Defizite zurückzuführen?
Wissenschaftlich ist das bislang kaum untersucht. Es ist aber anzunehmen, dass insbesondere sprachliche Verständigungsschwierigkeiten, unterschiedliche Essgewohnheiten sowie ein anderes Verständnis von Krankheit und Therapiezielen oft eine angemessene Behandlung verhindern.

pi: Was ist zu tun?
Unsere Tagung war ja nur ein erster Schritt, um die Sensibilität für dieses wichtige Thema zu erhöhen. Weitere Schritte müssen folgen. Wir fordern zum Beispiel, Modelle zur Verbesserung der Behandlungsqualität zu initiieren, angemessene Schulungs- und Behandlungsangebote bereitzustellen und interkulturelle Inhalte in die Ausbildung der Diabetesbehandler aufzunehmen.

pi: Welche Empfehlungen geben Sie ambulanten Pflegediensten, die ja zunehmend Migranten zu ihren Kunden zählen?
Schulung, Stoffwechselkontrolle und Selbstmanagement sind die zentralen Elemente der Diabetesbehandlung. Um bei Migranten erfolgreich zu sein, müssen ausreichend sprachliche Kommunikation und Verständnis für die andere Mentalität, Tradition und Kultur der Patienten vorhanden sein. Hier sind Pflegedienst, Ärzte, Diabetesberater und Psychologen gleichermaßen gefordert.

Kölnische Rundschau und Bonner Rundschau (wortgleich), 05.10.01

Erklärung zu Migranten mit Diabetes
Nach Worten von Experten tickt eine Zeitbombe



(Bad Neuenahr) Mit der Verabschiedung der "Bad Neuenahrer Erklärung zur Versorgung von an Diabetes erkrankten Migranten" schloss die Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Psychologie und Verhaltensmedizin in der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). 

140 Experten aus Medizin, Psychologie, Gesundheitspolitik und Sozialwissenschaft hatten sich drei Tage lang im Dorint-Kongress-Hotel in Bad Neuenahr mit dem Thema: "Diabetestherapie bei Migranten in Deutschland" befasst. 

Welle rollt auf die Krankenkassen zu 

Die Experten sprachen von einer "tickenden Zeitbombe". Durch die Alterung der ersten Migrantengeneration werde sich die Zahl dieser Diabetiker, die zur Zeit bei rund 600.000 liege, in Kürze verdoppeln. Auf die Krankenkassen rolle eine neue Kostenlawine zu. 

Die Tagungsteilnehmer erkannten eine Unter- oder Fehlversorgung von Migranten, deren Ursache kulturelle Unterschiede und Verständigungsschwierigkeiten sei. 

Weil aber nach Expertenauffassung die Diabetes-Therapie der Kontrolle und Beachtung von Blutzucker-, Blutdruck-, und Blutfettwerten bedarf, plädierte die Arbeitsgemeinschaft für Schulung und Behandlung von Migranten sowie eine ausreichende sprachliche Kommunikation. Außerdem sei Verständnis für andere Mentalität, Tradition und Kultur notwendig.

Die Arbeitsgemeinschaft forderte deshalb Fachverbände, Sozialversicherungen, kommunale Träger und das Bundesgesundheitsministerium auf, umgehend Modelle zur Verbesserung der Behandlungsqualität zu initiieren.

Forschungsgelder müssten bereitgestellt werden, und die Diabetesbehandelnden interkulturell ausgebildet werden, hieß es darüber hinaus. "Muttersprachliche, dem Bildungsstand und den Lerngewohnheiten angemessene Schulungs- und Behandlungsangebote sind bereitzustellen."

Dafür wollen die Behandler natürlich eine enstprechende Vergütung. Auch eine Bevorzugung von bikulturellen Bewerbern steht in der Bad Neuenahrer Erklärung, welche sich als Zusammenfassung der Jahrestagung und als Konzept erster Schritte zu einer besseren Behandlung von Migranten bei Diabetes versteht. 

(Quelle: http://www.rundschau-online.de/rhein-ahr/2114613.html

Bonner Generalanzeiger, 01.10.2001:

"Bad Neuenahrer Erklärung" im Kampf gegen Diabetes 
Gesundheit: Türkische Migranten erkranken häufiger als Deutsche. Versorgung soll verbessert werden

Von Ute Hagmann

Bad NEUENAHR-AHRWEILER. Kulturelle Unterschiede sind die Gründe einer schlechteren medizinischen Versorgung vornehmlich türkischer Mitbürger, speziell in der Diabetestherapie. Das stellte die Tagung "Diabetestherapie bei Migranten" der Arbeitsgemeinschaft Psychologie und Verhaltensmedizin der Deutschen Diabetes Gesellschaft am Samstag in Bad Neuenahr-Ahrweiler fest. Erstmals in Deutschland haben sich 140 Experten aus Gesundheitspolitik, Sozialwissenschaft, Medizin und Psychologie der bestehenden Defizite und einer besseren Behandlung von Migranten mit Diabetes angenommen.

Studien belegen, dass Türken, die in Deutschland leben, doppelt so häufig an der Volkskrankheit Diabetes leiden, verglichen mit der deutschen Bevölkerung. Es mangele an adäquaten Behanldungskonzepten für die mehr als 600 000 Erkrankten. Psychologe Bernd Kulzer vom Diabetes-Zentrum Bad Mergentheim hob hervor, dass Diabetes ein hohes Maß an Selbstmanagement und Aufklärung erfordere. Gerade die erste Generation der türkischen Migranten kämpfe immer noch mit enormen Sprachbarrieren, die eine optimale medizinische Versorgung verhindere. Das liege daran, so Dorothea Grieger vom Arbeitsstab Marie-Luise Beck, Bundesbeauftragte für Ausländerfragen in Berlin, dass die Migranten in dem Bewusstsein nach Deutschland kamen, bald wieder in ihr Heimatland zurückzukehren. Deutschland habe sich nie als Einwanderungsland empfunden, daraus resultiere das geringe interkulturelle Denken, auch im öffentlichen Gesundheitssystem. Gesundheitsvorsorge sei im türkisch-kulturellen Verständnis und Erleben eine "Frauensache".

Vor allem türkische Männer hätten ein passives Verhalten der eigenen Gesundheitspflege gegenüber. Es handele sich um eine "Komm-Einstellung". Das bedeute, so Grieger, in der Türkei würden die Menschen zum Arzt bestellt, einem Befehl zur Untersuchung gleichkommend. Um die älteren türkischen Migranten zu einer eigenverantwortlichen Therapie zu motivieren, müssten mehr bilinguale Mitarbeiter im Gesundheitswesen ausgebildet werden.

Eberhard Zillesen, Chefarzt der Klinik Niederrhein, erläuterte, dass die konstante und konsequente Behandlung des Diabetes eine wichtige Voraussetzung ist, um die Spätfolgen wie Erblindung, Amputationen, Nierenversagen und Nervenleiden zu verhindern: "Je früher und besser behandelt wird, desto mehr Lebensqualität für den Patienten und desto geringer die finanzielle Belastung des Gesundheitswesens." Für viele ältere türkische Migranten, die aus den armen Gegenden Anatoliens kamen, sei das Leben in Deutschland, wie in den Nachkriegsjahren "fette Jahre" gewesen, so Zillesen. Daraus resultierten unter anderen Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus.

Die Tagung fand ihren Abschluss in der "Bad Neuenahrer Erklärung", die Ergebnisse und weiterführende Konzepte und Initiativen der gesundheitspolitischen Öffentlichkeit vorstellte.

Ärzte Zeitung, 01.10.01

Patienten aus der Türkei? Auch an Diabetes denken!

BAD NEUENAHR (ddp). In Deutschland lebende Türken haben doppelt so häufig einen Diabetes mellitus wie der Durchschnitt der deutschen Bevölkerung. Das ist aus einer Studie der Universität Gießen hervorgegangen, die bei einer Tagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft in Bad Neuenahr vorgestellt worden ist. Die Prävalenz des Diabetes liegt im Schnitt bei 8,2 Prozent. Bei den in der Studie untersuchten 1067 Türken und türkisch-deutschen Migranten lag der Anteil bei 14,9 Prozent. Durch die Studie wurde bei 3,7 Prozent ein Diabetes entdeckt. Die Forscher vermuten, daß viele türkische Mitbürger den Übergang in eine Überflußgesellschaft mit einer Diabetes-Erkrankung bezahlen. Verschärft werde das Problem durch fehlende Schulungs- und Therapieangebote in türkischer Sprache.

(Quelle: http://www.aerztezeitung.de)

Internetberichterstattung

Infodienst Migration und öffentliche Gesundheit (BzgA)
diabsite.de (18.10.2001)
diabetes-deutschland.de (15.10.2001)
diabetes-nrw.de (15.10.2001)
Diabetesweb (08.10.2001; siehe Rubrik "Neuigkeiten"
Diabetes News vom 30.09.2001 (diabetiker-hannover.de)
Deutsche Vereinigung für Sozialdienst im Krankenhaus e.V. (DVSK)