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Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Psychologie, DDG
„Diabetes und Psychologie e.V.“
 

Depression kann jeden treffen

Wer kennt Sie nicht - die Momente, in denen wir uns einsam und niedergeschlagen fühlen und auf nichts freuen können. Es ist, als hätte man eine Brille aufgesetzt, die uns nur noch erlaubt, alles in grauen Farben zu sehen. Solche Gemütszustände gehören zu den normalen Hochs und Tiefs des Lebens und sind eine normale, gesunde Art auf negative Erfahrungen, Verluste, Enttäuschungen oder Belastungen zu reagieren. Erst wenn dieser Zustand über mehrere Wochen oder Monate anhält und das Gefühl der inneren Leere sich wie Blei um die Seele legt, spricht man von einer ernsthaften Erkrankung: der Depression. Bei Menschen mit Diabetes kommt dieser Zustand nicht selten vor.
 

"Als vor kurzem sogar meine Kinder meinten, dass mein negatives Denken nicht mehr auszuhalten sei und selbst meine beste Freundin äußerte, so pessimistisch, freudlos und antriebslos hätte sie mich noch nie erlebt, habe ich mir ernsthaft überlegt, ob ich es jemals wieder schaffen werde, alleine aus diesem schrecklichen Gefühlszustand herauszukommen." Edith, 51 Jahre alt, Lehrerin von Beruf, war bis vor einem halben Jahr ein durch und durch positiv denkender Mensch. Trotz Haushalt und zwei Kindern hatte sie den Lehrerberuf, den sie über alles liebt, wieder aufgenommen, nachdem ihre Kinder in die Schule gekommen waren. Auch ihren Typ-1-Diabetes, den sie bereits seit 26 Jahren hat, hatte sie bis vor kurzem als keine große Belastung angesehen. Zwar waren ihre Blutzuckerwerte nicht immer in Ordnung, aber für Edith war es stets wichtig, den Diabetes nicht zum Mittelpunkt ihres Lebens werden zu lassen.

 


 

Edith berichtet:

"Ich kann es noch immer nicht erklären. Plötzlich überfiel mich eine tiefe innere Erschöpfung und Leere. Viele Angelegenheiten, die ich früher mit links gemacht habe - wie mich auf die Schule vorzubereiten, regelmäßig meinen Blutzucker zu protokollieren oder abends zu kochen - waren plötzlich eine riesengroße Belastung für mich. Ich hatte einfach keinen Antrieb und konnte mich für nichts entscheiden. Statt Aufgaben anzupacken, verfiel ich ins Grübeln. Unvermittelt stellte ich viele Dinge in meinem Leben in Frage. Selbst an Sachen, die mir immer Spaß bereiteten, wie das Musizieren oder Malen, hatte ich auf einmal keine Freude mehr. Auch mein Diabetes wurde immer mehr zu einem Problem für mich, denn ich empfand es als immer schwieriger, mich tagein tagaus konsequent um meinen Diabetes zu kümmern. Immer wieder ertappte ich mich bei dem Gedanken, warum ich den ganzen Aufwand um eine gute Blutzuckereinstellung überhaupt betreiben solle? Schließlich erwartete ich wenig von der Zukunft und war sehr pessimistisch, ob ich das Fortschreiten meiner beginnenden Folgeerkrankungen aufhalten könne. Machte mir mein Mann deswegen Vorhaltungen, sagte ich ihm, er verstehe das nicht und zog mich immer mehr in mein Schneckenhaus zurück."

 


 

Depressionen sind keine Schande, sondern eine ernsthafte Erkrankung

Geholfen hat ihr ein offenes Gespräch mit ihrem Diabetologen, dem sie ihren Zustand schilderte. "Ich kann mich noch genau erinnern. In dem Gespräch habe ich mich anfangs erst geschämt, von meinem desolaten Gefühlszustand zu berichten. Also habe ich erst ein wenig herumgedruckst und ihm gesagt, dass ich momentan recht belastet sei, mir der rechte Antrieb fehle und ich schlechter schlafe. Dies sei auch der Grund, warum meine Blutzuckerwerte nicht so gut seien. Da mich mein Arzt sehr gut kennt, hat er mir nur wenige gezielte Fragen gestellt und mir dann auf sehr klare und bestimmte Art mitgeteilt, dass ich an einer Depression erkrankt sei. Dies käme bei Menschen mit Diabetes öfters vor. Außerdem hätte er bereits nach dem letzten Arztbesuch den Verdacht gehabt, dass etwas mit mir nicht in Ordnung sei. Ehrlich gesagt war ich froh, dass ich jetzt endlich wusste, warum sich mein Gefühlszustand so verändert hatte. Gut in Erinnerung habe ich auch noch seine Aussage, dass Depressionen sehr gut zu behandeln seien. Das hat mir Mut gemacht. Mein Arzt hat mir dann Tabletten gegen die Depression verschrieben und gleich einen Termin bei einem Psychotherapeuten ausgemacht, bei dem ich dann Gespräche hatte. Beides hat mir sehr geholfen".


 

Depressionen werden oft unterschätzt

Für Prof. Hegerl, Leiter der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universtitätsklinik Leipzig und Sprecher des Kompetenznetzes Depression, ist die Tatsache, dass es Menschen schwerfällt, offen zuzugeben, an einer psychischen Erkrankung zu leiden, gut bekannt. "Gemäß der Devise "Jeder ist mal depressiv" werden Depressionen oft unterschätzt und irgendwo zwischen Schnupfen und Einbildung angesiedelt. In Wirklichkeit aber handelt es sich um eine gefährliche Krankheit, die wie keine andere in fundamentaler Weise die Lebensqualität der betroffenen Menschen beeinträchtigt und nicht selten dazu führt, das gesamte eigene Leben in Frage zu stellen"

Depressionen gehen wie kaum eine andere Erkrankung mit hohem Leidensdruck einher, da diese Erkrankung ins Zentrum des Wohlbefindens und der Lebensqualität zielt. Nach einer durchgeführten weltweiten Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind Depressionen mit weitem Abstand vor allen anderen psychischen oder körperlichen Leiden die am schwersten belastende Erkrankung. Gemessen an dem Indikator YLD (years lived with disability), der die Schwere und die Dauer der Beeinträchtigung erfasst, kommt in den entwickelten Ländern den Depressionen die größte Bedeutung zu.

 

 
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Auch im Vergleich zu Patienten mit Diabetes schildern depressive Menschen eine deutlich höhere Beeinträchtigung.

 

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Pfeil links Angst
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Pfeil links Betroffene

 

 

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